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Kommunalwahl 2020:  Grünen-Bürgermeisterkandidatin Annette Heinloth im Porträt

Annette Heinloth ist die einzige Frau, die sich um den Posten des Wolfratshauser Bürgermeisters bewirbt. Nur deswegen, will sie aber nicht gewählt werden.

Wolfratshausen – Am 15. März könnte erstmals eine Frau den Rathauschef-Sessel einnehmen. Und erstmals könnte Wolfratshausens Bürgermeister Grünen-Mitglied sein. Annette Heinloth möchte das schaffen. Die 51-Jährige will aber mehr sein, als bloß die einzige Frau im Rennen um den Rathaus-Chefsessel. „Ich möchte nicht nur wegen meines Geschlechts gewählt werden“, stellt sie klar. Ja, Heinloth setzt sich seit Jahren für mehr Parität in der Politik ein. Der Feminismus sei aber nur ein Teil ihrer breiten Palette. Die Diplompsychologin bezeichnet sich als „Allrounderin“, die „vieles mitbringt, was man als Bürgermeister braucht“. Dazu zählt sie ihre Erfahrung in der Politik: 2012 stieß sie als Nachrückerin zum Stadtrat, 2014 wurde sie gewählt und übernahm für vier Jahre den Fraktionsvorsitz.

chon vor ihrem politischen Engagement hatte sie beruflich Bekanntschaft mit vielen anderen Gremien gemacht – zum Beispiel mit der Jugendhilfe, dem Amtsgericht, Schulen und Asylbewerberunterkünften. Heinloth kennt „die soziale Landschaft der Stadt sehr gut“. Auch in Führungsverantwortung fühlt sich die Mutter eines erwachsenen Sohnes und einer neunjährigen Tochter wohl. Derzeit arbeitet sie als Geschäftsführerin einer sozialen Einrichtung in der Landeshauptstadt. Zu ihrem täglich Brot gehört dort das Erstellen von Haushaltsplänen und Bilanzen, auch die Finanzverwaltung.

Eine detaillierte Finanzplanung auszuarbeiten würde wohl den wenigsten lokalen Politik-Beobachtern als Erstes einfallen, wenn sie über Annette Heinloth sprechen. „Manchmal werde ich darauf reduziert, die Frau fürs Soziale zu sein“, räumt sie ein. Betreuungsplätze, Seniorenfreundlichkeit und familientaugliche Freizeitangebote sind schließlich auch Themen, für die sich die Grüne schon immer starkmacht. Über das Bild von „der Frau nur fürs Soziale“ ärgert sich die 51-Jährige trotzdem, „denn ich bin genauso in Bau- und Finanzthemen eingearbeitet“.

Und so vergeht im Wolfratshauser Stadtrat keine Sitzung, ohne dass Heinloth sich zu diversen Themen äußert, meist mit klaren Worten. Und in einigen Fällen denkt sie schon um eine oder zwei Ecken. Das Parkhaus am Paradiesweg lehnte sie beispielsweise konsequent ab – nicht, weil ihr der Bau als solcher widerstrebt, sondern weil kein Gebühren-Konzept vorliegt. Sie scheut es auch nicht, gegen die Meinung ihrer Fraktionsmitglieder zu stimmen, wenn sie von etwas überzeugt ist. Diese Eigenschaft, setzt sie für einen Bürgermeister voraus: „Es wird nie eine Entscheidung geben, die jeden glücklich macht“. Sie findet es vor allem wichtig, dass überhaupt einmal entschieden wird, nachdem alle Argumente abgewogen wurden. „Ich bin manchmal zu ungeduldig, über viele Stunden zu diskutieren, ohne dann zu einem Ergebnis zu kommen.“

Dauerbrenner-Themen, die jahrelang weitestgehend ergebnislos durch den Sitzungssaal wabern, ermüden die 51-Jährige. „Wir drehen viele Schleifen und machen immer wieder Rollen rückwärts“, sagt sie. In ihrer Rolle als Grünen-Fraktionschefin habe sie ein Credo vorgelebt, das dem Stadtrat guttäte: „Man muss auch dann zu Potte kommen, wenn es verschiedene Meinungen gibt.“ Sie wolle versuchen, alles zu einem Kompromiss zusammenzuführen, Gespräche auch mal stringent zu moderieren und zu netzwerken. Qualitäten, die sich die Diplom-Psychologin zuschreibt. Heinloth hat auch kein Problem damit, bei der Kompromissfindung Anregungen aus anderen Kommunen einzuholen und fremde Expertisen zu nutzen.

Vielleicht stammt diese Offenheit aus ihrer Kindheit. Schon der Blick der jungen Annette Heinloth ging oft weit über den Tellerrand hinaus. Ihre Eltern lebten es ihr vor: Vater Heinloth bestieg 17 Mal den Kilimandscharo, unternahm viele Bergtouren auf dem ganzen Globus und brachte seiner Tochter Kleinigkeiten aus den Anden oder Grönland mit. Die Mutter setzte sich in der Entwicklungshilfe und als Wahlhelferin in Afrika ein. Internationale Gäste gingen in ihrem Wolfratshauser Elternhaus ein und aus. Die Weltoffenheit färbte ab. Heinloth selbst lebte ein Jahr lang in Spanien und viele Monate in Hamburg. Die Neugierde auf Neues hat sie bis heute konserviert. „Eigentlich ist es bei meinem Stammbaum verwunderlich, dass ich immer noch in Wolfratshausen bin“, sagt sie augenzwinkernd, „aber ich bin hier verwurzelt.“ Sie ist geblieben, weil sie sich wohlfühlt in der Stadt und weil sie die Menschen in Wolfratshausen mag. Und vielleicht weil sie einen Traum für die Loisachstadt hat: eine grüne Bürgermeisterin.